Die Kraft der Samen: Bayerische Staatsforsten säen Weißtannen für den Zukunftswald

Azubi Lorenz Schöner aus dem Forstbetrieb Nordhalben bei den Arbeiten zur Tannenaussaat (Foto: BaySF).

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Azubi Kevin Bröcker bei der Aussaat der Tannensamen (Foto: BaySF).

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06. April 2020, Nordhalben - Der Frankenwald ist von den Waldschäden der letzten beiden Jahre besonders betroffen. Tausende von abgestorbenen Fichten mussten gefällt werden, Lücken im Wald sind entstanden. Die Fichten kommen alleine nicht mehr mit der Klimaveränderung zurecht. Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten haben jetzt eine alte, aber bewährte Art der Waldverjüngung wieder angewendet. Die Verjüngung der Weißtanne mit Hilfe der Saat. Jetzt im Frühjahr werden Samen der Tanne von Hand in den vorbereiteten Waldboden gesät, damit daraus im Laufe der Jahrzehnte mächtige Alttannen und stabile Zukunftswälder werden.

Ein sonniger Aprilmorgen in einem Wald bei Nordhalben. Zwei Forstwirt-Azubi der Bayerischen Staatsforsten sind mit ungewöhnlichen Arbeitsgeräten in einem älteren Fichtenbestand unterwegs. Lorenz Schönmüller entfernt mit seinem Eisenrechen Äste und Nadeln zwischen den alten Bäumen. Meter für Meter wird dann in langen Reihen der Waldboden aufgelockert, damit die Erde vorbereitet ist für die nachfolgende Saat. Sein Kollege Kevin Bröcker hat Tausende von Tannensamen in einer Flasche mitgebracht. Von da rieseln sie in seine Hand, mit der er die Samen in die vorbereiteten Reihen streut. Anschließend werden die wertvollen Samen etwas mit Erde bedeckt, damit sie nicht austrocknen, sondern möglichst schnell keimen und anwachsen können. Forstwirtschafts-meister Matthias Lindig ist zufrieden mit der fachkundigen Arbeit seiner Auszubildenden.

„Weil reine Fichtenwälder im Zuge der deutlichen Klimaveränderung auch im Frankenwald keine Zukunft haben, werden sie durch baumartenreiche Mischwälder ersetzt. Die Weißtannen, die jetzt unter dem Schutz der Altbäume gesät werden, bilden künftig zusammen mit Buchen und Bergahorn sowie Fichten und Douglasien einen Wald aus mehr als vier Baumarten, der größere Chancen hat mit den veränderten Umwelt-bedingungen zurecht zu kommen“ erläutert Forstbetriebsleiter Fritz Maier bei einem Besuch auf der Saatfläche. Aus den Tannensamen sollen junge Tannenpflänzchen werden, die ihre Wurzeln ungestört entwickeln und so zu stabilen Bäumen heranwachsen können. „Es grenzt jedes Mal wieder an ein Wunder, wenn man sich vorstellt, dass aus so einem kleinen Tannensamen ein riesiger Baum mit Höhen über 40 m und einem Stamm-Durchmesser von über einem Meter sowie einem Alter von über 200 Jahren werden kann“ freut sich Forstbetriebsleiter Fritz Maier.

Der Forstbetrieb Nordhalben der Bayerischen Staatsforsten setzt seit vielen Jahren auf gemischte Wälder aus mehreren Baumarten. „Baumarten wie Eiche, Lärche oder Douglasie werden meist gepflanzt, während Buche, Fichte, Ahorn, Birke oder Vogelbeere oft durch natürliche Ansamung aus den vorhandenen Altbäumen dazu kommen“. Auch die im Frankenwald heimische Weißtanne verjüngt sich über ihre Samen sehr schön natürlich, wenn noch genügend Altbäume in einem Wald stehen und die Jagd waldfreundlich ausgeübt wird. Insgesamt werden in diesem Jahr 140.000 junge Bäumchen in den neun Forstrevieren des Forstbetriebs Nordhalben gepflanzt und zusätzlich 60 kg Weißtannensaatgut gesät.  

„Die Arbeit unserer Auszubildenden, Forstwirte und Revierleiter sichert die Erhaltung des Waldes auch für die Zukunft. Und damit auch die unverzichtbaren Waldfunktionen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Kohlenstoffspeicher, als Erholungsraum für alle Menschen, als Spender für sauberes Trinkwasser, als Lieferant für den nachhaltigen Rohstoff Holz und auch als sicherer Arbeitsplatz“ betont Forstbetriebsleiter Fritz Maier, bevor es weiter geht zur nächsten Saatfläche.  

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