Eiche ersetzt Fichte

Die Begründung von klimastabilen Wälder ist eine der Hauptaufgaben der Bayerischen Staatforsten. Hier pflanzt Forstwirt Siegfried Hagen junge Eichen (Foto: BaySF).

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Bayerische Staatforsten beschleunigen Waldumbau im Frankenwald

Nordhalben, 19. März 2021 - Die Waldbestände des Frankenwaldes sind von der Hitze und Trockenheit der vergangenen drei Jahre besonders betroffen. Hunderttausende vom Borkenkäfer befallene, absterbende Fichten mussten gefällt werden, kleine und große Lücken im Wald sind entstanden. Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten pflanzen jetzt im Frühjahr junge, gemischte Wälder für die Zukunft. Zwischen Nordhalben und Geroldsgrün werden statt der bisherigen Fichten jetzt Eichen, Linden und Hainbuchen gepflanzt. Sie werden zusammen mit Tannen, Lärchen, Fichten, Buchen, Birken und Vogelbeeren den gemischten, klimastabileren Wald für die nächsten Jahrzehnte bilden.

Leichter Schneefall an einem kalten Vormittag Mitte März im Staatswald zwischen Nordhalben und Geroldsgrün. Fichtenwälder mit Lärchen und einzelnen Tannen säumen den schmalen Pfad zu einer Freifläche im Wald, die durch Borkenkäferbefall im vergangenen Jahr entstanden ist. Mit seiner orangen Sicherheitskleidung ist Forstwirt Siegfried Hagen aus Hermesgrün leicht zu erkennen.

Ein gelegentliches Knirschen ist zu hören, wenn der Forstwirt des Forstbetriebs Nordhalben der Bayerischen Staatsforsten mit seinem Pflanzgerät einen Spalt im Waldboden herstellt. Schritt für Schritt arbeitet er sich auf der durch Borkenkäferbefall entstandenen Freifläche von unten nach oben. In den Händen das Pflanzgerät und auf dem Rücken einen Transportsack mit den jungen Pflanzen, so steigt er von Pflanzstelle zu Pflanzstelle. Mit dem Göttinger Fahrradlenker, einem ergonomisch günstigen Pflanzgerät, sticht er in den Waldboden und vertieft den entstehenden Spalt durch einen kräftigen Druck mit den Sicherheitsschuhen. Ein Druck nach vorne, ein Zug nach hinten und fertig ist der Pflanzspalt, in den die junge Eiche eingebracht wird. Dann folgt ein leichter Zug an der Eiche nach oben, damit die Wurzeln der jungen Pflanze im Pflanzspalt gerade nach unten ausgerichtet sind. Alle Wurzeln müssen nach unten schauen, damit sie bestens wachsen und später den großen Bäumen genug Halt geben können. Zum Abschluss wird der Pflanzspalt mit einem zweiten, benachbarten Stich mit dem Arbeitsgerät in den Waldboden wieder zugedrückt. Die Eiche steht sicher und kann anwachsen. Revierleiter Christof Mörtlbauer ist zufrieden mit der fachkundigen Arbeit seines Mitarbeiters.

Die Trockenheit und der Borkenkäferbefall haben die alten Fichten, die vorher hier auf über 600 Höhenmeter gewachsen sind, zum Absterben gebracht. „Der Frankenwald war und ist ein Schadensschwerpunkt“ erläutert Forstbetriebsleiter Fritz Maier, der die Pflanzaktion begutachtet. „Weil die Fichtenwälder im Zuge der deutlichen Klimaveränderung auch im Frankenwald keine gute Zukunft haben, werden sie durch laubholzreiche Mischwälder ersetzt. Die Traubeneichen, Hainbuchen und Linden, die jetzt gepflanzt werden, sind an das künftige Klima angepasst und werden mit den geringeren Niederschlägen und den höheren Temperaturen besser zurechtkommen. Die Eiche erobert jetzt auch Höhenlagen im Frankenwald, die früher für diese Baumart wegen der Kälte und der hohen Niederschläge ungeeignet waren“.

Der Forstbetrieb Nordhalben der Bayerischen Staatsforsten setzt seit vielen Jahren auf gemischte Wälder aus mehreren Baumarten. „Mindestens vier verschiedene Baumarten in jedem Waldbestand sind unser Anspruch“ so Forstbetriebsleiter Fritz Maier. „Baumarten die noch selten sind bei uns, werden - so wie jetzt die Eichen - gepflanzt. Weitere Baumarten wie Tanne, Lärche, Fichte, Buche, Birke oder Vogelbeere kommen meist durch natürliche Ansamung aus den vorhandenen Altbäumen dazu“. Insgesamt werden in diesem Jahr 51 Hektar mit verschiedenen Baumarten in den 9 Forstrevieren des Forstbetriebs Nordhalben gepflanzt oder mit Weißtannensaatgut gesät. „Unser normales Jahres-Pflanzprogramm liegt bei 40 Hektar. Um den Waldumbau zu beschleunigen, begründen wir zusätzlich 11 Hektar als Klimawaldkulturen, die zu einem Mehrjahresprogramm der Bayerischen Staatsregierung für die Anpassung des Staatswaldes an die Klimaänderung gehören“ so Fritz Maier.

Der Waldumbau muss begleitet werden von einer waldfreundlichen Jagdausübung, die den jungen Bäumen ein Wachstum ohne Verbissschäden durch Rehwild ermöglicht. „Nur bei der seltenen Eiche sind wir im oberen Frankenwald noch auf einen Schutz durch einen Zaun angewiesen,“ so Forstbetriebsleiter Fritz Maier und Revierleiter Christof Mörtlbauer, „alle anderen Baumarten sollten ohne gesonderte Schutzmaßnahmen wachsen können“.

Die Arbeit unserer Auszubildenden, Forstwirte und Revierleiter sichert die Erhaltung des Waldes auch für die Zukunft. Und damit auch die unverzichtbaren Waldfunktionen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Kohlenstoffspeicher, als Erholungsraum für alle Menschen, als Spender für sauberes Trinkwasser, als Lieferant für den nachhaltigen Rohstoff Holz und auch als sicherer Arbeitsplatz“ betont Forstbetriebsleiter Fritz Maier zum Abschluss der Pflanzaktion.

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